Monday, 31. march 2008
1
31
/03
/März
/2008
05:47
Grade bin ich auf einen
wirklich hörenswerten Podcast gestoßen. Darin unterhalten sich drei der bekannteren HipHop-Blogger aus den USA,
Jay Smooth,
Krisna Best und DBert aka
Afronerd über den aktuellen Zustand
unserer Kultur. Die Themen sind drüben die gleichen wie hier: Ist HipHop im Sterben begriffen? Sind die erfolgreichen Rapper verantwortungslos? Fehlt es den Kids an Wissen um die Historie? Was das
ganze so interessant macht - es könnte ja bei diesen Themen schnell eine Anklagetirade im 'Früher-war-alles-besser-Stil' entstehen - sind die differenzierten Meinungen der drei, denen ein
überdurchschnittlicher Erfahrungsschatz zugesprochen werden kann. Sind ja auch alle schon ein paar Jährchen dabei. Wer also 90 Minuten Zeit und zudem ausreichende Englischkenntnisse mitbringt, dem
sei ans Herz gelegt sich
das Ding anzuhören. Ist übrigens knapp 2 Monate alt, kann also sein, dass es der ein oder andere vielleicht schon kennt. Egal.
Zu ein paar der Themen die angesprochen werden noch einige Anmerkungen. Zu Beginn geht es um die ewige Frage ob Rap früher besser war. Über diese Frage habe ich
hier schon mal was geschrieben, aber ich wiederhole mich gerne: Nein.
Früher wie heute wird einem die gute Musik eben nicht einfach auf dem Silbertablett serviert, sondern man muss aktiv werden und suchen. Diese Suche wird heute dank dem Internet, besonders durch
Blogs und Communities, sogar noch vereinfacht. Und eigentlich ist es doch genau das, was einem Musikliebhaber die größte Freude bereitet: Neues entdecken. Besonders Neues, das doch nicht jeder
kennt. Und wer ernsthaft behauptet, es gäbe ja im ganzen Rapeinheitsbrei nichts mehr zu entdecken, der sieht einfach die Perlen vor lauter Säuen nicht.
Eine andere interessante These kommt zudem von Jay Smooth, als es darum geht, ob zwischen ihrer und der jungen HipHop Generation (alle drei sind schon jenseits der 30) eine große Lücke klafft.
Diese verneint er nicht und führt als einen Grund an, dass derzeit eine Generation von Musikhörern heranwächst, die erstmals in der Geschichte mit digitalen Produkionen aufwächst. Für sie sei
analoge (aka 'echte') Musik Kram für alte Leute. Ist das so? Ich bin selbst viel mit echter Musik, auch jenseits von HipHop, aufgewachsen und zähle ja auch nicht mehr zu den ganz jungen Kids, daher
weiß ich nicht, ob er recht hat. Falls dem so ist, wird es noch spannender, wenn er weiterdenkt.
Seiner Theorie nach - und das widerum kann ich nachvollziehen und bestätigen - ist es grade der Mash-up-Charakter von HipHop, sich allen verfügbaren Stilen zu bedienen und was eigenes daraus zu
basteln, der beim Hörer zu einer Horizonterweiterung führt. Das verwendete Jazzsample im Lieblingsbeat auch mal im Original hören oder den zitierten Autor auch mal als Buch in die Hand nehmen. Wenn
jetzt allerdings nur noch Synthiebässe und digitale Kickdrums durch den Äther schallen gibt es für die Kids nach Smooths Ansicht auch nichts mehr zu entdecken. Klingt schlüssig.
Dann geht es auch noch ums Business. Stirbt Rap, weil die Plattenverkäufe einbrechen? Hier sind wir bei einem meiner Lieblingsthemen, zu dem ebenfalls ein sehr richtiger Satz fällt: Grade wenn die
etablierten Strukturen aufbrechen (aka the big 4), weil ihre Businessmodelle nicht mehr funktionieren, gibt es wieder Raum für Neues. Aktuell, so die Aussage, krankt es daran, dass die geldgebende
Industrie ein Bild im Kopf hat, sozusagen den Prototyp des kommerziell verwertbaren HipHops, und alles andere außer acht lässt. Word up!
Dass es auch ohne Majorsupport (und im Zweifel sogar ganz ohne große Maschinerie im Hintergrund) möglich ist sein Auskommen von der Musik zu bestreiten, wurde
hier ja schon mal behandelt. Künftig wird es in meinen Augen immer wichtiger werden, nicht mehr in Plattenverkäufen zu denken, sondern
auch andere Wege in Betracht zu ziehen, um sein Künstlerleben zu finanzieren. Spontan fiele mir da so einiges ein, aber das soll ja jetzt nicht Thema sein. Denn es geht um
diesen Podcast und den sollt
ihr Euch bei Gelegenheit mal geben.
Ähnliche Artikel:
>>
Von Musik leben können
>>
Falk im Interview (Teil 1)
>>
Ist deutscher Rap scheiße geworden?
Social Bookmarking
Neueste Kommentare