Review: U-N-I - Fried Chicken and Watermelon

Veröffentlicht auf von Thomas Euler

Ich liebe gute Musik und ich liebe es, gute Musik neu zu entdecken. Außerdem habe ich eine Art Pflichtgefühl (böswillig könnte man es auch einen "inneren Zwang" nennen), gute Musik auch zu empfehlen.

Vor einigen Tagen habe ich euch ja bereits das Video zu Beautiful Day von U-N-I ans Herz gelegt. Mittlerweile habe ich mir auch deren Streetalbum Fried Chicken & Watermelon ausgiebig zu Gemüte geführt. Um das Fazit vorweg zu nehmen: Ein sehr feines, äußerst soulful daherkommendes Album. Zwar nicht mehr brandaktuell (es wurde schon im Juni '07 veröffentlicht), ist es dennoch eine Besprechung wert.


Aber der Reihe nach. Zunächst ein paar Worte zu den Artists: U-N-I sind die MCs Thurzday und Y-O. Sie stammen aus Inglewood, Kalifornien und machen seit der High School gemeinsam Musik. Als Vorgruppe haben sie u.a. schon Redmankonzerte eröffnet. Am Mic ergänzen sie sich wunderbar, Thurzday mit seinem etwas rougheren Flow und Y-O, der smooth über die Beats gleitet. Besonders wichtig für einen homogenen Eindruck bei Crews: In Sachen Skills sind die beiden extrem ausgeglichen und beiden hört man gerne zu. 

Das Album selbst ist 12 Tracks plus Intro und ein Skit lang und wurde in Eigenarbeit ohne Label releast. Die Produktionen stammen allesamt von lokalen Produzenten. Am Werk waren: Swiff D, Proh Mic, Moufahza, Dibiase, Dame Taylor und Ro Blvd. Der Standard und die Qualität der Beats lassen dennoch an keiner Stelle zu wünschen übrig. Abgesehen von einem female MC als Gast kommen Thurzday und Y-O ohne Features aus, was der Homogenität des Albums als Gesamtwerk äußerst zuträglich ist. Anstatt durch prominente Gäste beeindrucken die MCs daher mit ihrem definitiv vorhandenen Können.

Introduction: Das Intro besteht aus zusammengecutteten Bestellungen von Fried Chicken und beinhaltet ein Statement von Dave Chappell, das man wörtlich auf das Album übertragen kann "If you don't like Fried Chicken and Watermelon something is wrong with you mothafucka"

The Launch: Der erste Track des Albums zündet direkt eine Bombe. Auf einem, dem Titel entsprechend, sehr spacigen Beat liefert Thurzday mit den ersten Lines direkt ein umfassendes Statement ab: "The renaissance cannot continue without true creativity, so I compose this soliloquy to help you see it more vividly.". In der Hook werden wir dann auf eine Reise ins "U-N-I to the verse" mitgenommen:  "there's one reason that we do this for / it's for the hip hop hip hop / (I said I) take you to places you never been / ridin a space ship yes we go high / up in cloud away from sin / and we stay fly"

Soul Hop: ist genau das, was der Titel erwarten lässt: auf einem souligen Sample verdeutlichen die beiden ihre Herangehensweise an die Musik: "My Heart My Soul / (we do it like) pure love pure gold". Y-O verrät zudem, wie er zum MC wurde: "Mums and Paps made love to a slow jam / as they kissed to the M.U.S.I.C. / I came an MC". Dope.

Let me BE: In diesem Track stellen die beiden unter Beweis, dass sie auch ohne Probleme den Club rocken können. Auf einem Countryrock-Sample inklusive gepitchtem Voicesample, veredelt mit kopfnickgarantierenden Claps, machen U-N-I klar, wer Chef im Haus ist. 

The Show 2007: Natürlich darf auf einem Rapalbum kein Representer der eigenen Heimatstadt fehlen und so ist dieser Track Inglewood gewidmet. Der Beat samt Skratches  zwingt einen zum Kopfnicken und die beiden MCs zeigen uns Muthafuckern "how to murder a song".

Do Wit Me: Eine smooth und laid back daherkommende Ode an den One-Night-Seitensprung. Neben Thurzday und Y-O ist hier eine nicht näher genannte Rapperin mit im Boot, die einen absolut soliden Part hinlegt. Der Track ist auch der einzige Featuretrack des Albums. Catchy ist besonders die gesungene Hook - zwar ist an den Jungs kein neuer James Brown verloren gegangen, doch manch ein Rapper hat schon schlechtere Gesangseinlagen hingelegt. 

Knock On Wood: Musikalisch wird der Song von einem Jazzsample getragen und erzählt die Geschichte eines "not realy my girl"-Mädchens, das nach kurzer Affäre vermeldet "that her period is late". Doch U-N-I wären nicht U-N-I, wenn das Ende nicht mit einer (vielleicht doch nicht ganz so) dicken Überraschung aufwarten würde.

Fat Girl: Rap kann entertaining sein. Wie sehr, zeigt dieser Track über den etwas üppigeren Teil der Damenwelt. Lines wie diese bringen mehr als nur zum Schmunzeln: "I try to give 360 hugs to my lady / but my arms only go 180" oder "at five feet tall / from a distance you look like a medicine ball". Das der Track allerdings nicht als Disstrack gedacht ist, macht nicht nur der Disclaimer klar, auch die Hook  "Fat girl, come here, are you ticklish? / All a dem other skinny cats are ridiculous" zeigt, dass er irgendwo zwischen Spaß und Hommage angesiedelt ist.

The Proposal: "No matter what you do / you cannot have my queen / cause we're abondonees / this music mary me". Pure love. 

Castlevania: Man nehme ein Nintendo-16-bit-Sample, 2 MCs mit einiger Videospielerfahrung und viel Spaß am Musikmachen. Was dabei herauskommt ist Castlevania. Die Hook: "This rap shit be the code a life / it's like up - down - up - down / a - b - left - right / this rap shit we on a job / bitch n*ggas be like 'oh my god'".

LapDance:  Es scheint in den Genen eines Rapper zu liegen, gerne über seinen Hustle zu reden. Der von U-N-I sieht so aus: "I only got a dollar in my pocket / can I get it on credit? / can I get a lapdance?" oder: "I got a couple of fives in my pocket I'm lying / I got a diem in my pocket  and baby I'm just dying / for you to get on there" 

Beautiful Day: Der suburbane Sound für einen sonnigen Tag. "Put your windows down and pump that sound". Nuff said. 

K.R.E.A.M.: Sneaker gehören vermutlich genauso zu HipHop wie Rap oder Breakdance. Nur logisch daher, ihnen eine Hymne zu widmen. Für die passende akkustische Untermalung sorgt ein wohlbekanntes Sample: C.R.E.A.M. vom Wu-Tang Clan. Passenderweise steht das Kürzel dann auch für  "Kicks rule everything around me".

Zum Bündel geschnürrt ergeben die Songs ein wunderbares, stimmiges Album, das einfach gerne gehört werden muss. Das beste daran ist allerdings: Für dieses feine Stück Musik muss man nichtmal bezahlen. Als Streetalbum steht es zum kostenfreien Download zur Verfügung.  Den Link, ebenso wie das Video zu Beautiful Day findet ihr hier. Schade. So kann ich jetzt gar nicht sagen: "Pflichtkauf!".in cloudti_bug_fck

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