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    Montag, 4. februar 2008
    In letzter Zeit führe ich gehäuft Gespräche mit Leuten, die früher große HipHop- und Rapfans waren, sich jedoch heute davon abgewendet haben oder alternativ nur die alte Mucke hören. In diesen Unterhaltungen fallen dann auch häufig Sätze wie "Deutscher Rap ist doch total scheiße geworden!". Ist das so? Ist deutscher Rap wirklich Scheiße geworden?

    Ich glaube das nicht. Vielmehr ist er wesentlich vielfältiger geworden als vor 10 Jahren. Heute rappen eben auch Gangster oder solche, die es gerne wären, es wird mehr über Pornothemen, Gewalt und Ghettoattitüde gerappt. Das gab es früher nicht bis kaum und die älteren Raphörer können sich damit oft nicht identifizieren. Ich inbegriffen, weil ich weder Gangster noch Pimp noch aus'm Ghetto bin. Trotzdem finde ich solche Musik nicht per se scheiße. Wenn es ein ernstzunehmender Künstler ist, der weiß wovon er spricht und zudem noch Skills am Mic hat, gebe ich Props an ihn und seine Mucke. Es gibt eben verschiedene Lebensrealitäten da draußen, nicht nur die eigene. Und was könnte die Verständigung, den Austausch und das Verständnis besser beflügeln, als HipHop?

    Wer allerdings partout keinen Bock auf solche Texte hat, der findet immer noch anderen Kram - er muss vielleicht nur ein bisschen gründlicher suchen. Klar, dass derjenige Rap heute schlechter findet, der nur noch bei MTV & Co. am Rande guckt, was geht. Bewegt man sich allerdings mit ein wenig offeneren Augen durch die HipHop-Welt, findet man nach wie vor jede Menge klasse Musik. Vermutlich sogar zahlenmäßig mehr als früher. Vor einigen Jahren war die Zahl der Releases so gering, dass beinahe alles gefeiert wurde, was überhaupt rauskam. Kein Wunder, dass bei gesteigertem Output nicht mehr alles gefallen kann. Wer Beispiele für wirklich guten Rap aus Deutschland will, der möge mal die diversen Top 5's unserer Autoren durchgucken. Wer weder mit Huss & Hodn, Creme Fresh, Dynamite Deluxe oder Germany (um nur ein paar zu nennen) zufriedenzustellen ist, der sollte dann vielleicht tatsächlich andere musikalische Wege einschlagen. Ich hab gehört, auch Volksmusiker wollen ihre Platten verkaufen.

    Kurz und knapp: Mir geht das ewige Gemeckere auf den Sack. Wer nicht zufrieden ist mit Rap, der soll doch die Musik machen, die er hören möchte. Was aber aber in den meisten Fällen vermutlich gar nicht nötig wäre - ein bisschen weniger Verbissenheit und Engstirnigkeit würde da schon reichen. Gibt man sich dann beim Suchen noch ein wenig Mühe, klappt es auch wieder mit dem HipHop.

    Nuff said.


    von Thomas Euler - veröffentlicht in: Vermischtes
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