U-N-I im Interview

Veröffentlicht auf von Thomas Euler

U-N-INachdem das kalifornische Rapduo U-N-I schon des Öfteren hier erwähnt wurde, war es in unseren Augen an der Zeit, dass es auch ein deutschsprachiges Interview mit den beiden MCs Y-O und Thurzday geben sollte. Also haben wir die beiden über ihre Musik, ihren Alltag und ihre Zukunftspläne ausgequetscht. Was dabei rausgekommen ist, könnt ihr hier lesen.




>> Hi Y-O, hi Thurzday! Da euch die meisten deutschen Rapfans vermutlich noch nicht kennen, stellt Euch bitte zunächst mal vor.

Thurz: Whaddup! Mein Name ist Thurzday, der Sohn von Sandra [lacht]. Ich komme aus Inglewood in Kalifornien und bin der Kerl mit der roten Mütze und dem Holzfällerhemd im Beautiful Day Video.

Y-O: Ich heiße Y-O und wurde in Seattle geboren, wohne aber seit '96 ebenfalls in Inglewood. Im Beatiful Day Video bin ich der mit dem Mohawk-Haarschnitt.

>> Ich habe gelesen, dass ihr gemeinsam Musik macht, seit ihr Euch 1999 in der Highschool kennengelernt habt. Das sind ja schon ein paar Jahre. Gibt es also bereits andere Veröffentlichungen außer Fried Chicken and Watermelon?

Thurz: Wir haben ein paar Mixtapes zusammen mit einer Crew namens Rapture Kamp gemacht, zu der wir mal gehört haben. Diese Projekte haben uns geholfen, um an unseren Skills zu schleifen. FCAW ist das Street Album, das uns nun wirklich Allen da draußen vorstellt und den Grundstein legt für unsere weiteren Veröffentlichungen.

>> Ist es richtig, dass Ihr FCAW komplett indiependent rausgebracht habt?

Y-O: Absolut! Wir haben FCAW komplett indie rausgebracht und sind nach wie vor allein unterwegs. Wir wollen uns unsere eigene Fanbase schaffen, um letztlich mit einem Major in Kontakt zu kommen, die sich dann um Vertrieb und Marketing unserer Musik kümmern sollen. Wir wollen den Leuten zeigen, dass wir in der Lage sind unser eigenes Movement aufzubauen.

>> Seid ihr eigentlich Vollzeit-Musiker oder habt ihr nebenher noch ein "normales Leben"?

Thurz: Wir sind alles Vollzeit! [lacht] Ich habe einen 9 to 5 Job bei einem Versicherungsunternehmen und zu Hause eine Tochter, dich auch was von mir haben will. Wenn ich also grade nicht auftrete oder im Studio bin, dann bin ich entweder bei der Familie oder knechte mich im Job um die Rechnungen zu bezahlen. Und meine Schulden vom Schuhekaufen.

Y-O: Ich arbeite in einer Schule und kümmere mich um die Jugendlichen, hole sie von der Schule ab und helfe ihnen bei den Hausaufgaben. So verdiene ich mir neben der Musik mein Auskommen, um mir immer neue Kicks zu leisten.

>> Mein erster Kontakt mit Eurer Musik war das Video zu Beautiful Day, das ich wegen seinem entspannten, positiven Vibe sehr mochte. Es kommt auch gar nicht mit den gängigen Gangster- oder Badboy Cliches daher, sondern ist einfach straight forward gute Musik. Glaubt ihr, dass es auch das ist, was den Unterschied zwischen Euch und vielen der momentan populären Acts ist?

Thurz: Definitiv! Wir versuchen nicht irgendjemand anderes außer uns selbst zu sein. Unsere Musik repräsentiert uns und das gemeine Individuum. Viele der heutigen Acts sind Marionetten, die machen, was man ihnen sagt. Wir haben unsere eigene Bewegung gestartet mit ehrlicher Musik, die im Mainstream lange Zeit vernachlässigt wurde. Aber die Leute da draußen sind dafür empfänglich, wie uns die Reaktionen zeigen.

>> Noch mal kurz zum Video: Ich mochte die Idee, am Ende die Credits zu zeigen. Wie kamt ihr auf die Idee?

Y-O: Das war die Idee von Tomas Whitmore. Er ist ein Genie. Er fügte auch ein Instrumental von einem unserer kommenden Songs ein, um den Leuten einen Vorgeschmack zu geben auf das, was sie in der nahen Zukunft erwarten können. Und er hat eine Menge Aufnahmen von unserem Revier in Inglewood gesammelt.

>> Lasst uns über Eure Musik reden. In meinen Augen ist FCAW ein großartiges Album. Ich höre es ohne zu skippen komplett durch, was nicht oft vorkommt. Außerdem haben die meisten Songs eine erfrischende Idee oder erzählen eine gute Geschichte. Insgesamt hat man den Eindruck, dass schon einiges an Gedanken und Zeit in das Album geflossen ist. Wie lang habt ihr daran gearbeitet und wie können wir uns den Arbeitsprozess vorstellen?

Thurz: Wir haben etwa drei bis vier Monate an dem Album gearbeitet. Zuerst haben wir Beats, die wir gefühlt haben, von verschiedenen Produzenten zusammengestellt. Eine Menge Konzepte und Themen entstanden beim rumfahren in meinem Auto, während wir die Beats aufdrehten. Wir haben Ideen, Parts und Hooks immer wieder probiert und verworfen, bis wir Material hatten, mit dem wir wirklich zufrieden waren. Die große Idee hinter dem Street Album war es, der Welt zu zeigen, dass die Westcoast guten Rap abseits des Gangsterraps zu bieten hat, für den sie ansonsten bekannt ist. Das ist uns gelungen.

>> Ein anderer Grund, warum das Album so einen homogenen Eindruck hinterlässt, ist die Beatauswahl. Wie seid ihr beim picken vorgegangen? Hattet ihr eine klare Vorstellung davon, wie FCAW klingen sollte oder habt ihr spontan Beats gewählt, die Euch gefallen haben?

Y-O: Nein, eine klare Vorstellung gab es nicht. Wir hatten einfach Spaß mit unserer Musik. Wir haben uns mit den Produzenten in ihren Studios getroffen und haben uns durch die Tracks gehört. Dann haben wir die ausgewählt, die unsere Aufmerksamkeit auf sich zogen. Dann haben wir die Playlist in der Reihenfolge erstellt, von der wir dachten, dass die Übergänge zwischen den Songs so am gelungensten sind.

>> Auf dem Album ist auch der Song K.R.E.A.M., der Euch einiges an Aufmerksamkeit verschaffte. Wie kamt Ihr auf die Idee?

Thurz: Wir sind große Streetwear-Fans und da spielen Sneaker natürlich eine maßgebliche Rolle. Neben Sneakers ist der zweite wichtige Teil in unserem Leben die Musik und im HipHop ist Wu-Tang eine der großartigsten Gruppen unserer Zeit. C.R.E.A.M. ist einer ihrer großen Klassiker und ein Akronym für "Cash Rules Everything Around Me". Und da wir Sneaker lieben und viel Geld dafür ausgeben, dachten wir uns einfach, dass wir die Idee an unseren eigenen Lifestyle anpassen. Daher also: K.R.E.A.M - "Kicks Rule Everything Around Me".

>> Wir sind ja ein deutsches Blogmagazin. Daher interessiert mich die Wahrnehmung der deutschen oder generell der europäischen HipHop-Szene in den USA. Kennt ihr irgendwelche europäischen Künstler?

Y-O: Wir kennen nicht viele Künstler oder Produzenten aus Europa, aber wir standen in Kontakt mit dem Produzenten Lefto. Und unser guter Freund Aloe Blacc war grade drüben auf Tour.

>> Wenn ihr von einer "europäischen HipHop-Szene" hört, was denkt ihr dann? Seid ihr stolz, dass sich die Kultur so weit verbreitet hat oder gibt es auch negative Meinungen?

Thurz: Wir finden es großartig, dass HipHop auf der ganzen Welt stattfindet. Es zeigt uns, dass gute Musik immer noch überall Menschen erreicht und bewegt. Wir sind stolz, ein Teil von HipHop zu sein und zu wissen, dass es so weit verbreitet ist. Nichts negatives, nein.

>> Können wir Euch in nächster Zeit in Deutschland erwarten? Zum Beispiel beim Splash! Festival?

Y-O: Wir würden liebend gerne nach Deutschland kommen und dort rocken. So bald wie möglich werden wir ins Flugzeug springen und rüberkommen. Hoffentlich noch in diesem Jahr!

>> Ist Euch das Splash! eigentlich ein Begriff?

Thurz: Ja, in der Tat! Es ist das größte Festival in Europa. Wir müssen definitiv dieses Jahr auf deren Rechnung stehen, also sorgt dafür, dass es wahr wird!

>> Noch irgendwelche Anmerkungen oder Shoutouts?

Beide: Shoutouts an Daniela und Dre von Contrashadow, Chris London, Faahz, Swivll und an alle, die down mit uns sind!


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