Jay Smooth, Krisna Best & Afronerd diskutieren über HipHop

Veröffentlicht auf von Thomas Euler

Grade bin ich auf einen wirklich hörenswerten Podcast gestoßen. Darin unterhalten sich drei der bekannteren HipHop-Blogger aus den USA, Jay Smooth, Krisna Best und DBert aka Afronerd über den aktuellen Zustand unserer Kultur. Die Themen sind drüben die gleichen wie hier: Ist HipHop im Sterben begriffen? Sind die erfolgreichen Rapper verantwortungslos? Fehlt es den Kids an Wissen um die Historie? Was das ganze so interessant macht - es könnte ja bei diesen Themen schnell eine Anklagetirade im 'Früher-war-alles-besser-Stil' entstehen - sind die differenzierten Meinungen der drei, denen ein überdurchschnittlicher Erfahrungsschatz zugesprochen werden kann. Sind ja auch alle schon ein paar Jährchen dabei. Wer also 90 Minuten Zeit und zudem ausreichende Englischkenntnisse mitbringt, dem sei ans Herz gelegt sich das Ding anzuhören. Ist übrigens knapp 2 Monate alt, kann also sein, dass es der ein oder andere vielleicht schon kennt. Egal.


Zu ein paar der Themen die angesprochen werden noch einige Anmerkungen. Zu Beginn geht es um die ewige Frage ob Rap früher besser war. Über diese Frage habe ich hier schon mal was geschrieben, aber ich wiederhole mich gerne: Nein.

Früher wie heute wird einem die gute Musik eben nicht einfach auf dem Silbertablett serviert, sondern man muss aktiv werden und suchen. Diese Suche wird heute dank dem Internet, besonders durch Blogs und Communities, sogar noch vereinfacht. Und eigentlich ist es doch genau das, was einem Musikliebhaber die größte Freude bereitet: Neues entdecken. Besonders Neues, das doch nicht jeder kennt. Und wer ernsthaft behauptet, es gäbe ja im ganzen Rapeinheitsbrei nichts mehr zu entdecken, der sieht einfach die Perlen vor lauter Säuen nicht.

Eine andere interessante These kommt zudem von Jay Smooth, als es darum geht, ob zwischen ihrer und der jungen HipHop Generation (alle drei sind schon jenseits der 30) eine große Lücke klafft. Diese verneint er nicht und führt als einen Grund an, dass derzeit eine Generation von Musikhörern heranwächst, die erstmals in der Geschichte mit digitalen Produkionen aufwächst. Für sie sei analoge (aka 'echte') Musik Kram für alte Leute. Ist das so? Ich bin selbst viel mit echter Musik, auch jenseits von HipHop, aufgewachsen und zähle ja auch nicht mehr zu den ganz jungen Kids, daher weiß ich nicht, ob er recht hat. Falls dem so ist, wird es noch spannender, wenn er weiterdenkt.

Seiner Theorie nach - und das widerum kann ich nachvollziehen und bestätigen - ist es grade der Mash-up-Charakter von HipHop, sich allen verfügbaren Stilen zu bedienen und was eigenes daraus zu basteln, der beim Hörer zu einer Horizonterweiterung führt. Das verwendete Jazzsample im Lieblingsbeat auch mal im Original hören oder den zitierten Autor auch mal als Buch in die Hand nehmen. Wenn jetzt allerdings nur noch Synthiebässe und digitale Kickdrums durch den Äther schallen gibt es für die Kids nach Smooths Ansicht auch nichts mehr zu entdecken. Klingt schlüssig.

Dann geht es auch noch ums Business. Stirbt Rap, weil die Plattenverkäufe einbrechen? Hier sind wir bei einem meiner Lieblingsthemen, zu dem ebenfalls ein sehr richtiger Satz fällt: Grade wenn die etablierten Strukturen aufbrechen (aka the big 4), weil ihre Businessmodelle nicht mehr funktionieren, gibt es wieder Raum für Neues. Aktuell, so die Aussage, krankt es daran, dass die geldgebende Industrie ein Bild im Kopf hat, sozusagen den Prototyp des kommerziell verwertbaren HipHops, und alles andere außer acht lässt. Word up!

Dass es auch ohne Majorsupport (und im Zweifel sogar ganz ohne große Maschinerie im Hintergrund) möglich ist sein Auskommen von der Musik zu bestreiten, wurde hier ja schon mal behandelt. Künftig wird es in meinen Augen immer wichtiger werden, nicht mehr in Plattenverkäufen zu denken, sondern auch andere Wege in Betracht zu ziehen, um sein Künstlerleben zu finanzieren. Spontan fiele mir da so einiges ein, aber das soll ja jetzt nicht Thema sein. Denn es geht um diesen Podcast und den sollt ihr Euch bei Gelegenheit mal geben.


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Veröffentlicht in Vermischtes

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Krisna Best 10/28/2008 20:23

What's up?

I just wanted to say thanks for posting this article. I'm late to find your blog and I couldn't make complete sense of it because of the language barrier. I used Google Translate and I was able to understand a few points you made. I apologize in advance if my response is unintelligible.

I agree with you that old school rap can't be looked at in terms of being "better" than modern hip-hop. The problem is is that this is an arbitrary distinction and that we can't use our personal tastes to determine the significance of any music.

As it relates to the discussion, my main problem with Afronerd is that his perspective on hip-hop is informed by, at best, a conservative and, at worst, a racist view of black culture. For him, black culture has no value if it isn't aspiring to success on white supremacy's terms. He believes in an outdated Duboisian talented tenth theory, that the black elite will lead the black working class to success. We wholeheartedly oppose Afronerd as we view popular culture and black culture (which are synonymous here in the U.S.) as revolutionary, contradictory, and dynamic and that comes from below, from ordinary people.

As such, we also see a subjectivity to the working class; that it defines itself and its aesthetic forms on its own unadulterated terms. For Jay Smooth, he has a sharp and witty perspective on hip-hop that is more accepting of the different forms it takes, but he has some social-democratic pitfalls in his politics which are reflected into his perspectives on the music, particularly with his emphasis on Barack Obama. Part of this is valid because a lot of the hip-hop generation has been galvanized to a degree by the Obama campaign. But what is inherent in hip-hop, and Jay wouldn't see this, again because of his social-democratic politics, is that hip-hop is a fundamental rejection of the status quo and official politics.

We at "Democracy and Hip-Hop" are like Afronerd and Jay in the sense that our politics inform our perspective on hip-hop. The difference is that we do not start from politics, we start from hip-hop itself. Hip-hop can only be understood as thing-into-itself. We like to borrow from your philosopher Hegel in this sense. Hip-hop moves by its own contradictions; that it isn't just purely a representation of people. We do emphasize the representation aspect. Hip-hop is in many ways indicative of our own struggles, values, ideas, and attitudes, but it also moves on its own initiative.

What we take from our political perspective is that part of hip-hop's contradictions is an inclination towards direct democracy, towards self-government; that these are tensions imbued with others that are barbaristic, materialistic, and sadistic. But we don't mechanically separate these tendencies and relegate them to particular genres or particular artists. They are ALL a part of hip-hop's totality.

There is a lot more that could be said, but I'll stop here. I hope this makes sense and that it translates at least somewhat coherently. I really appreciate the attention you've given this subject. We've posted a link to your blog as well.

Thanks again.
www.democracyandhiphop.org"